DIE BESCHEUERTSTE GESCHICHTE DER WELT

Vor langer Zeit lebte in Alaska ein uralter gruener Kuehlschrank, der schon, als er noch ein Babykuehlschrank war, davon traeumte, auf seine alten Tage zum Abtauen nach Afrika zu reisen. In jener Zeit allerdings war ein Gang durch die Waschmaschine unerlaesslich, um eine Einreiseerlaubnis fuer Afrika zu bekommen. Das galt sogar fuer schwarze Kuehlschraenke.
Nun litt unser gruener Kuehlschrank aber unter einem schwerwiegenden Problem. Er vertrug keinen Weichspueler.
Also suchte er den Rat seines Grossvaters, des alten Heizluefters. Denn wenn auch irgendetwas bei der Familienplanung vor 2 Generationen schiefgegangen war, so galt der Grossvater doch als eine Quelle der Weisheit.
[cabronsito, Mexiko]

Dem kleinen grünen Kühlschrank fiel ein, dass es eigentlich nicht üblich ist, nackt zu reisen.
Ursprünglich, als er auf die Welt gekommen war, trug er einige Kleidungsstückchen, ein Jäckchen aus Karton, ein Hütchen aus Styropor und ein durchsichtiges Regenmäntelchen.
Doch da in Alaska alle Möbelstücke und Haushaltsgeräte FKK-Anhänger waren, waren diese Kleidungsstücke schon lange abhanden gekommen.
So bat er seinen Großvater - den Heizlüfter - mit ihm auf die Suche nach den rechten Kleidungsstücken zu gehen, um bei seinem Gang durch die Waschmaschine entsprechend gegen den Weichspüler geschützt zu sein.
Sie wanderten durch verschiedene Rohstofflager, die früher von den Menschen als Müllplätze angelegt wurden und heute als wichtige Ressourcen für das tägliche Leben angesehen werden.
[Frau Lupo, Oesterreich]

Im Rohstofflager angekommen, fand die beiden leider nicht das passende Outfit für den wackeren Junggesellen.
Gerade mal ein pink-gestreiftes Lackröckchen, ein himmelgrünes Neoprenjäckchen sowie ein mit Federboa ausstaffiertes erdgelbes Mützchen waren in der passenden Größe vorhanden.
Das reichte zwar für die Waschmaschine, würde das schon mehr als peinlich sein, aber so konnte der in die Jahre gekommene Kühlschrank UNMÖGLICH nach Afrika reisen. Was also tun? Vielleicht wissen ja Tante Bügeleisen oder Cousine Computer Rat?
Auf dem schnellsten Weg zurück nach Hause.
"Tante Bügeleisen!", keine Antwort, nochmal gerufen, da schallt eine leise Stimme aus dem Abstellraum: "Tante Bügeleisen ist nicht mehr hier! Die ist seit Montag im Gerätealtersheim, Waldesruh 45, 999851 Klein Schrotting." Mist, ihre Ratschäge waren eigentlich immer ganz brauchbar gewesen.
"Cousine Computer, weißt Du vielleicht, wo wir passende Reisekleidung für den kleinen grünen Kühlschrank herbekommen?" "ösdkfhpa xjbbsb xsdkjfaksjbf hklasf fahskfb cgaejb glkcjbs fgasbkj" Oh, Cousine Computer wird uns wohl auch nicht weiterhelfen können, sie hat sich vor ungefähr einer Woche auf Windoof Vista geupdatet und hat seither nicht mehr alle Buchstaben im Speicher.
[Tanja "La Luna", Oesterreich]

Nach so einigen weiteren sinnlosen Verwandtenbesuchen, blieb unserem grünen Kühlschrank leider nichts anderes übrig, als auf die blasierte Klimaanlage der örtlichen Kegelbahn zu hören. "Was?" hatte die gerufen, "Reisekleidung? Wenn du zu Hause einfach nur so rumläufst, brauchst du dich für die Reise aber auch nicht weiter künstlich herzurichten! Außerdem verbirgt das deine ganz persönliche Note! Aber eines solltest du bedenken. In Afrika schmückt man sich mit Vorliebe am Kopf! Zöpfchen, Bändchen, bunte Tücher und all so ein Zeugs drapiert man in Afrika gerne auf der obersten Etage. Als Gast solltest du dich höflich anpassen! Weißt du, dann taut nicht nur dein Eisfach sondern auch das Herz deiner Gastgeber!" Frau Klimaanlage nahm tief Luft und stellte nach so anstrengender Rede vorerst gleich einmal den Betrieb für einige Zeit ein.

Der grüne Kühlschrank aus Alaska nahm sich das sehr zu Herzen. So kam es, dass er jene Vase mit der Plastikblume, die stets auf ihm zu stehen gepflegt hatte, einfach mit einem blauen Tuch festband, um sie auf die Reise mitzunehmen.

gruener Kuehlschrank

Nun aber hielt ihn nichts mehr, voll Enthusiasmus verließ er das Dorf in dem er sein bisheriges Leben abgerasselt hatte und hoppelte einfach wild drauf los.
Nach zwei Tagen begegnete ihm Herr Eisbär. Mister Kühlschrank war nämlich leider Richtung Norden gehoppelt! Ja woher soll so einer denn auch wissen, wo Süden ist!
“Was hast denn du nur für eine wilde Farbe“ fragte der Eisbär „die habe ich ja noch nie gesehen!“
[Tirilli, Oesterreich?]

... der grüne Kühlschrank schluckte. "Mist", dachte er bei sich - nun würde alle Welt am Nordpol erfahren, dass er Fan vom 1. FC Werder Bremen war und sich deshalb von Herrn Farbtopf diese Farbe hatte verpassen lassen. Da half nun kein leugnen und Herr Eisbär war ja für seine Schwatzhaftigkeit überall bekannt...
also gab es nur eine Flucht nach vorn : " tja, ich bin auf dem Weg nach Africa und übe schon mal 'tarnen und täuschen' denn ich habe einfach keine Lust unterwegs abgefangen zu werden und den Rest meines Daseins in irgendeiner Reihenhaussiedlung im Schwarzwald zu verbringen. "
Verwirrt schüttelte der Eisbär seinen Kopf und überlegte - das dauerte bei ihm etwas länger, denn er war nicht der Hellste - "und was machst du denn hier, wenn du nach Africa willst?" fragte er dann...
" Mensch, bist du bescheuert" sagte der Kühlschrank. "Das gehört doch alles zu meiner Tarnung... ich nehme die Polarroute. Die ist zwar länger, aber viel interessanter und ausserdem wollte ich auf dem Weg noch einen Besuch bei meiner computersüchtigen Tante Tiefkühltruhe machen und mich mit Proviant eindecken.

Die kann zwar überhaupt nicht kochen, steht aber unheimlich auf Tiefkühlpizzen und ich dachte mir, die könnte ich dann in Africa verscheuern. Man muss ja sehen, wo man bleibt..."
Das war eindeutig zu viel für den Eisbären... er kratzte sich am Kopf und kriegte nur noch ein dumpfes " boah " aus der Kehle... das musste er erstmal verdauen.

Der Kühlschrank blubberte fröhlich und rückte seine Vase mit den Plastikblumen zurecht - erleichtert, das der Eisbär endlich von der grünen Farbe abgelenkt war - und setzte fröhlich pfeifend seinen Weg fort... und ganz leise klang es über den Nordpol : you´ll never walk alone...
[Shayanna, Deutschland]

Es war später Nachmittag und die untergehende Sonne warf kaum noch Schatten und so langsam wurde er müder und müder. Mit jedem Schritt versanken seine Füße tiefer im feinen Schnee.
Plötzlich blieb er stehen und starrte auf einen ganz bestimmten Punkt. Er blinzelte angestrengt um das seltsame Etwas genauer erkennen zu können. Ein Boot, ein Staubsauger? Der grüne Kühlschrank lief und seine Augen hielt er auf das schwarze Etwas gerichtet, um ganz sicher zu sein. Tatsächlich, dort im Schnee lag rücklings, alle viere von sich gestreckt, ein Staubsauger, der Marke "Turbo-Express". "Hey geh mir aus der Sonne, ich will noch die letzten Strahlen geniessen." Der grüne Kühlschrank staunte nicht schlecht und sagte." Nun, vielleicht liegst du schon ein wenig zu lange in der Sonne, denn dein Körper ist schon ganz schön verbrannt." Der grüne Kühlschrank dachte lange nach bevor er seine Frage stellte, die ihm im Kopf herumschwebte. " Du sag einmal, was treibst du dich eigentlich hier am Norpol herum, solltest du nicht lieber zu Hause sein?"
Der schwarze Staubsauger lümmelte sich zur Seite und schaute den grünen Kühlschrank leicht entsetzt an und sagte:" Stell dir vor ich bin ausgerückt, ich hatte die Schnauze voll. Ich komme nämlich aus der Wüste Grobi und wurde als Slave gehalten. Ich mußte täglich den Wüstensand von einer Düne zur anderen pusten. Hier aussaugen und an anderer Stelle wieder ausspucken. Dabei lief ich immer ganz schön heiß an." Hier will ich erst einmal bleiben, damit ich auskühlen kann...
[Wortperlen - Anne, Deutschland]

Der Kühlschrank verstand zwar nichts von Sand - ausser, dass er nicht im Getriebe sein sollte - doch der schwarze Turbo war ein Quell solch heisser Informationen, dass der Schnee am Morgen bereits zu schmelzen begann, als ein Knacken verriet, dass der Sauger auf einer Scholle davontrieb.

" Immer in Richtung Sonne ist Süden - und nicht versklaven lassen " verstand der grüne Eisschrank noch, als plötzlich sein Eisfach klingelte und er sich mit " hier on the rocks " meldete.

" Sie hatten einen Antrag auf eine Einreiseerlaubnis nach Africa gestellt, wir haben da noch ein paar Fragen ". Na, die hab ich auch, vibrierte der Kühlschrank voll Reisefrost und wollte gleich wissen, an wen er sich nun wenden solle, um endlich abtauen zu können. Er wolle schliesslich verreisen um zu enteisen!

" Wir müssen dazu noch wissen, ob sie FCKW-frei sind " klirrte die Stimme aus dem Eisfach.

FCKW - frei? Farbige Chrysanthemen kopflastig weitertragen? Wieso sollte ich mich von meiner Plastikblume befreien wunderte er sich .....

" Nein, ich bleibe blumig" , meinte der grüne Kühlschrank und machte auch gleich klar, dass seine Farbe seine Gesinnung war.
[Gabriela, Spanien]

„Scottie, gib Energie!“.rief der grüne Kühlschrank, der es satt hatte, immer nur auf der Stelle zu treten.

Enterprise

Elfenbeinküste. Heiß. Strand.

Was kann dieses grüne Etwas auf dem Eisberg sein, den die afrikanische Küstenpatrouille durch den Feldstecher erkennt? Und wie kommt der schmelzende Eisberg hierher?
Mehrere Einbäume mit Einheimischen in Dienstkleidung (bayerische Trachtenanzüge – offizielles Gastgeschenk von E. Stoiber, anlässlich seines letzten Staatsbesuches) nähern sich dem Eisberg und begrüßen den Kühlschrank. Langwierige Einreiseformalitäten sind zu erwarten, denn, das verstehen wir alle, Afrika ist es leid, als Mülleimer der Welt verwendet zu werden, und ein Kühlschrank per se gilt als verdächtig, Gammelfleisch und anderen Giftmüll einzuschmuggeln.
[Ellen, Deutschland]

Angeleint an die Einbäume mit den stärksten Ruderern an Bord, wurde der vor sich hinschmelzende Eisberg mitsamt dem verängstigten grünen Kühlschrank in Richtung Hafen geschleppt. Die Sonne brannte sengend heiß vom Himmel und die kümmerlichen Reste des Eisbergs wurden zusehends kleiner. Er schaukelte schon bedenklich, dem Kühlschrank stockte die Kühlflüssigkeit in den Kühlrippen bei jedem Auf und Ab. Plötzlich hörte er ein Tuckern, das ihm seltsam vertraut erschien. Aus der Einfahrt zum Hafen kam ihnen ein Motorboot der Einwanderungsbehörde entgegen.

"Was machst Du denn hier, mein kalter Freund?"

Der grüne Kühlschrank traute seinen Augen kaum. Am Boot befestigt war Herr Außenbordmotor, ein alter Bekannter seines Vaters, der schon vor vielen Jahren Alaska verlassen hatte, um woanders sein Glück zu finden.

"Ich wollte auf meine alten Tage nach Afrika zum Abtauen", sagte er. "Und wie es aussieht, habe ich es wohl geschafft."

"Noch nicht ganz", sagte der Außenbordmotor und stieß dabei dunkle Rußwolken aus. "Da gibt es noch einiges an Formalitäten zu klären. Aber jetzt ziehen wir Dich erst mal schnell in den Hafen, bevor Du uns absäufst."

Der Kühlschrank wurde blass, sein grün zu einem fahlen Mint-Ton. "Formalitäten? Was für Formalitäten denn?"

"Bleib cool", sagte Herr Außenbordmotor und lachte schallend über sein, wie er fand, wundervolles Wortspiel. "Das ist alles halb so schlimm." Mit diesen Worten brachte er seine Rotoren auf volle Touren und brauste zu seinem Liegeplatz im Hafen.
[Referral, Deutschland]

"So", sagte der Außenbordmotor, "hinein mit dir, das Schriftliche erledigen wir dann nach den siebzehn Tagen."

Der grüne Kühlschrank spähte ängstlich durch den Türspalt, der einen großen und sehr dunklen Raum offenbarte, gefüllt mit Regalreihe um Regalreihe. "Wie meinst du das?", fragte er den Außenbordmotor und wich ein paar Schritte zurück. "Wo soll ich hinein? Und welche siebzehn Tage?"

Der Außenbordmotor brummte beruhigend. "Bevor du einreisen kannst, musst du eine siebzehntägige Quarantäne hinter dich bringen, mein lieber Freund, denn wir wollen ja nicht, dass du uns heimlich die Blauspanschimmelpest oder gar den Weißen Wucherpelz einschleppst. Deshalb wirst du, so wie alle einreisenden Kühlschränke, siebzehn Tage auf der Quarantänestation verbringen und wenn du in dieser Zeit keinen Schimmel ansetzt und dein Abstrich frei von gefährlichen Keimen ist, erledigen wir den Papierkram und es steht dir frei, zu gehen wohin du willst."

Der grüne Kühlschrank schluckte schwer. "Aber da drin ist es ja ganz dunkel.", stotterte er. "Wozu", sagte der Außenbordmotor, "hast du denn dein Innenraumlicht, du Dummerchen!", und just als er dieses ausgesprochen hatte, glimmte in der Dunkelheit der Halle hinter ihm plötzlich ein Licht nach dem anderen auf.

"Nun komm schon rein!", kicherte es fröhlich aus einem mittleren Regalboden. "Ja, komm schon rein, wir beißen nicht!", fiel eine weitere Stimme ein. "Eigentlich ist es sogar ganz lustig hier drin.", wisperte eine schüchterne Stimme.

Der grüne Kühlschrank schob sich durch den Türspalt und dann lächelte er nur noch halb so ängstlich: Die Regalreihen waren vom Boden bis zur Decke gefüllt mit Kühlschränken aller Größen, Nationalitäten und Alters.

"Okay", sagte er zum Außenbordmotor, "wenn es sein muss, dann muss es wohl sein. Der Außenbordmotor zwinkerte vergnügt, winkte noch einmal und dann fiel die schwere Stahltür ins Schloß und der grüne Kühlschrank stand ein wenig verlegen in der kühlschranklichtdämmrigen Dunkelheit der Quarantänehalle.
[ilsebilse, Deutschland]

"Von wo kommst du denn her?", fragte eine kleine Kühltasche, die sich, da sie ja keine Innenbeleuchtung besaß, ganz dicht an ein stahlglänzendes Kühl- und Gefrierkombigerät drängte. "Ich komme aus Alaska und wollte hier in Afrika endlich mal meine steifen Kühlrippen abtauen,",antwortete der grüne Kühlschrank, "aber dass ich jetzt hier lande hätte ich nicht erwartet. Und wie lange bist du denn schon hier drinnen?"
"Och, ich weiß nicht. Vielleicht schon ein halbes Jahr?"
"Ein halbes Jahr? Ich denke so eine Quarantäne dauert 17 Tage?", ruft der grüne Kühlschrank empört aus und bewegt sich dabei so abrupt, dass die Plastikblume auf seinem Dach bedenklich zu schwanken anfängt, sich aber dann doch wieder zurück ins Lot begibt.
"Vergiss es," mischte sich nun ein alter, sicher FCKW verseuchter, klobiger Kühlschrank ein,"die finden immer Spuren von Blauspanschimmelpest an uns, wie sollen wir uns in dem Loch hier auch Schimmelfrei halten. Aber keine Panik, grüner Neuankömmling"
Der alte Kühlschrank machte eine bedeutungsvolle Pause und trat einen Schritt zur Seite.
"Wir arbeiten schon an unserer Flucht."

In der hintersten Ecke des dunklen Raumes, da wo die Regale aufhörten, meinte der grüne Kühlschrank etwas erahnen zu können, ein schwaches Glimmen und darunter etwas Schwarzes, das noch schwärzer zu sein schien, als das Dunkel, um sie herum.

Der alte Kühlschrank schien die Frage in den Anzeigedioden des grünen Kühlschrankes erkannt zu haben, denn er antwortete, ohne dass der grüne Kühlschrank überhaupt zum Sprechen ansetzen konnte:
" Wir schmelzen uns rüber nach Australien!"
[Frau Stella, Deutschland]

Da kriegte der grüne Kühlschrank ganz große Augen, er schaute erst ungläubig, dann neugierig und zuletzt wild entschlossen.
"Wie stellt ihr euch das denn vor, Australien ist weit. Aber ich bin auf jeden Fall dabei!"

"Pschscht !",meinte der alte Kühlschrank, "nicht so laut,es gibt hier subversives Gesindel und die Wände haben auch Ohren"

Daraufhin rückten Beide mit einem Scharren und Schlurfen aufeinander zu. Sie steckten ihre Kühlschranktürköpfe zusammen und flüsterten innig + aufgeregt miteinander.

"Du siehst doch das tiefe Dunkel da hinten,wo man das Glimmen nur schwach erahnen kann. Das ist unsere Fahrkarte nach Australien.
Endlich möchte ich meine Sehnsucht nach dem Land stillen, wo die Känguruhs in Goretex- Jacken umher springen, der Ayers of Rock in den Himmel reicht und mein Bauch bis obenhin mit dem guten Forsters gefühlt ist..."

"Oh, das klingt fantastisch..."quengelte der kleine Kühlschrank, ...nun erzähl schon endlich, wie kommen wir dahin?"

Vielsagend und überlegen lächelte der alte Kühlschrank: "Ja, das Glimmen hat eine ganz klare Bedeutung, es kommt nämlich von einer Beam-Maschine !"

"Du meinst, eine Beam-me-up-Scotty-Maschine wie bei Enterprise? Wie soll das denn funktionieren ?"

"Das ist doch ganz einfach" ,meinte der alte Kühlschrank, "es funktioniert nämlich folgendermaßen..."
[Gutemine, Deutschland]

„Lass dich bloß nicht vom Alten verarschen, du Greenhorn“, seufzte die Edelstahl-Gefrierkombination gelangweilt. „Jedem Neuling tischt er dieselbe, langweilige Geschichte auf. Und glaub mir: ich hab schon viele von dir kommen und gehen sehen!“

„Und woran liegt das wohl, du arrogantes Stück Blech?“, zischte der Alte erbost. „Dich Strom fressendes Prestigemonster will niemand mehr haben. Eher nehmen sie mich, denn ich verkörpere Nostalgie“, schloss der Alte würdevoll.

„Was haben Rostflecken mit Nostalgie zu tun? Bei meinem letzten Fotoshooting für den Qualle-Kataglog…“

„Ach halt die Klappe“, viel der Alte ihr ins Wort und wandte sich wieder dem kleinen Grünen zu, der seiner Illusionen beraubt, ganz trübsinnig dreinschaute. „Also, das Glimmen da hinten ist weniger eine „Scotty-Beam-Me-Up- Maschine, denn ein Flugs-Kompensator“, raunte er verschwörerisch.

„Das ich nicht lache!“ höhnte die Edelstahlkombination, „das ist nur Trude, die trübe Truhe, deren Deckel nicht mehr ganz dicht ist!“

„Mein Deckel schließt vielleicht nicht mehr ganz richtig, aber immerhin bin ich noch in Betrieb“, trumpfte Trude auf, wobei sie dem Wort „Ich“ eine besondere Betonung beimaß.

Das ratternde Geräusch des Garagentors ließ alle erstarren.
[pommesrot, Deutschland]

Sofort verstummten auch die eben noch so coolen Kühler. Während das elektrische Garagentor hochfuhr, drang von draußen das gleißende Sonnenlicht der afrikanischen Küste in das abgedunkelte Verließ.
Nun sah der grüne Kühlschrank auch die bisher unbeleuchtete Kühltasche genauer. Bei der Dame handelte es sich ganz augenscheinlich um ein Modell aus den 70ern, das türkis-ockerfarbene Tapetenmuster lies zumindest darauf schließen, und der grüne Kühlschrank atmete erleichtert auf, daß er offenbar nicht der einzige Buntgestylte an Bord war.

Dann begann ein geschäftiges Treiben: Zahlreiche uniformierte Männer Gabelstapler brachten Europaletten um Europaletten in die "Quarantänestation". Der kleine Kühlschrank begann zu schwitzen. Vor Schreck kniffen alle Kühlschränke die Augen zu.
"Regierungstruppen," flüsterte der alte Nostalgiekühlschrank, und klapperte mit seinem Einhandhebel. "Pah," machte die Edelstahlgefrierkombi, "die lassen mich tooo-tal kalt." - das war aber nur Show, denn in Wirklichkeit begann bereits ihr Wasserspender zu tropfen. Ein Rumpeln kam aus der hinteren Ecke des Lagers. Offensichtlich war Trudes fossiler Motor angesprungen.

Minuten, ach was, Stunden dauerte das Abladen. Dann verschwanden die bewaffneten Gabelstapler, es wurde wieder dunkel und die Kühlschränke trauten sich nun zum ersten mal, den Neuling in Augenschein zu nehmen. Er war riesig. Geradezu gigantisch.

"Wer bist Du denn?" fragte der Nostalgiekühlschrank.
"Ich bin Big Jim, " sprach der Neuling im tiefen Bass.
"...uuuund...uhuhund...WAS bist Du?" fragte die türkisockerne Kühltasche schüchtern.
Big Jim räusperte sich und machte danach eine Kunstpause.
Dann sprach er:"Ich bin ein mobiles Kühlhaus für den Gastronomiebedarf. Ich bin Made in USA..." (offenbar bildete er sich etwas darauf ein) "...und werde morgen ins Hotel Dreitageszeiten in der Hauptstadt gebracht, um meinen Dienst anzutreten."

Die Kühlschränke stellten sich der Reihe nach vor, dann klärte der Alte Big Jim auf, daß die Chancen eher schlecht stünden, diesen Ort beizeiten wieder zu verlassen.

"Verdammt! Ich wußte, daß das eine Falle ist!", fluchte Big Jim und ratterte zornig mit allen ihm zur Verfügung stehenden Aggregaten.
"Okay, Leute, Sie haben ihre Rechnung ohne Big Jim gemacht. Ich verrat' Euch was: Mein Job im Dreitageszeiten ist bloß Tarnung. Ich stamme aus einer militärischen Einrichtung und habe eine Shockfrost-Spezialausbildung. Wir werden hier nicht ewig schmoren, Freunde, denn ich habe einen geheimen Auftrag zu erfüllen. Lasst mich einen Moment nachdenken."

Sprach's, und verriegelte die Kühlhaustür von innen.
Ungläubig sahen sich die anderen Kühlschränke an.
"Aufschneider", schnarrte die Edelstahlgefrierkombi.
"Ach, hör' doch auf", scholt sie der Alte, "DU hast schließlich auch keine Idee".

Nach einer Weile glitt der Riegel von Big Jim ganz sanft auf, ein "pffft" signalisierte, daß Luft zwischen seine Dichtlippen getreten war, seine Kühlhaustür schwang auf, und er leuchtete vor Begeisterung.

Dann erklang seine Stimme: "Hört zu! Dies ist mein Plan :..."
[Petersilies Suppenkraut, Deutschland]

"Schaut euch doch erstmal mein Innenleben an", sprach Big Jim. "Ich habe da als einziger von euch was essbares drin. Ihr anderen seid doch alle fitzefatzeleer. Ich habe aber einen leckeren Hamsterbrotaufstrich im Mittelfach liegen. Ich sag euch: Das gibt ne Sause hin. Der Hamster war völlig besoffen als er damals bei meinem alten Inhaber Herrn Erich sprischwörtlisch unner die Räder jekommen is, ne und da blieb eben nix anneres übrich, als den armen Giselfritz, so hieß das arme Viech, nich, ja nix blieb anneres übrich, als den armen Giselfritz inne Kühle zu legen. In mich. Und weil der Giselfritz noch so viel Restalkohol hatte und dann noch weiter gegärt ist, ist das nun allerallerstreichzartester Uffstrich mit achteinhalb Umdrehungen.
Also ganz ehrlich, Jungens und du miserable Kühltasche inner Ecke: Mir wird da immer janz, janz schlescht. Bin ja quasi daueralkoholisiert. Drum müssen wir jetzt alle dran glauben.
Promillesharing ist das Gebot der Stunde, Jenossinnen und Jenossen. Solidarität mit allen besoffenen Kühlschränken! Sagt NEIN zu Bierflaschen in uns! Bereitet toten Hamsterbrotaufstrichen in uns ein Ende! Für ein Flaschenhalterverbot in Kühlschränken! Raus mit saurer Milch! Jawoll.
Möge die kühlungsbedürftige Masse zittern. Wir, Jenossinnen und Jenossen, wir ham nüscht zu verlieren außer unseren Kühlelementen."


So sprach Big Jim und die anderen Kühlschränke hätten Bauklötze gestaunt, wenn sie hätten Bauklötze staunen können. Still schwiegen sie in fernafrikanischer Sonne.
Dann endlich fragte die Kühltasche: "Und?"

"Nix und", sprach Big Jim. Wir warten nun erstmal, bis ein paar Einsiedlerkrebse kommen und diesen grünen Mist da hinten weitertragen. Der wird unser Messias."
[Herr Gorillaschnitzel, Deutschland]
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