Gefahren eines Strandurlaubs

Ich kam in der letzten Woche zu einer erstaunlichen Erkenntnis: Wer freiwillig an den Strand faehrt, muss in einem gewissen Grad masochistische Wesenszuege in sich tragen. Aber sind wir nicht alle ein wenig ..... ?

Es geht los mit der Anreise. Da man hier in México aufgrund der Urlaubsverhaeltnisse in den meisten Faellen nur fuer kurze Zeit faehrt, will man auch moeglichst schnell ankommen. Also versucht man durchzufahren. Wohl dem, der eine Klimaanlage in sein Auto eingebaut hat, welche allerdings nicht gegen einen "durchgesessenen" Hintern hilft. Ueber gewaltsam unentleerte Blasen nicht zu reden. Man koennte ja 10 min spaeter ankommen. Also faehrt laesst man sogar oeffentliche Aborte links liegen.


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Einmal vor Ort, heisst es dann: "Ihr Zimmer wird erst in 2 Stunden fertig sein." Ach ja, da war ja etwas mit Check-In-Zeit.
Also die Badeklamotten rausgewuehlt - die selbstverstaendlich ganz unten im Koffer liegen - und ins Meer gestuerzt. Sonnencreme? Hinterher. Der Maso-Instinkt hat gesprochen. Am Abend werden die Folgen zu spueren sein.


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Man muss wissen, dass die Wassertemperaturen rund um Mexiko keinen Anlass bieten, das Meer zu verlassen. Nur wenige Dinge bieten diesen. Hunger, Durst, ein Harn/Darm - Beduerfnis (bei wohlerzogenen Leuten) und vielleicht ein Hai oder agua mala (Feuerqualle). Auszupackende Koffer gehoeren mit Sicherheit nicht dazu.

Irgendwann beschliesst man aber, einen der Pools zu testen. In Deutschland soll es heutzutage grosse Mode sein, seine Kinder moeglichst oft barfuss laufen zu lassen. Am Strand kann man manchmal gar nicht anders. Beim Herausstapfen aus dem Meer nimmt man mit der Ferse garantiert die einzige Glasscheibe im Umkreis von 20 km mit. Ratsch! Aua! Pflaster drauf. Ein klitzekleines Humpeln bemerkt der aufmerksame Beobachter, aber es tut nicht wirklich weh.


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Nun also in den Pool. Mit Pflaster. Im Ueberschwang der freigesetzten Urlaubshormone gibt man sich natuerlich sofort einer wilden Unterwasser-Kampfeshandlung mit den Freunden hin. Wir sind doch alle ausgebildete Rettungskampftrinker. Aehhhh, -schwimmer, sollte es heissen.
Und man geht ja im Normalfall von glatten Fliesen am Beckenboden aus. Unser Fall ist - oh Ueberraschung - kein Normalfall. Ratsch!!! Und das rechte Knie ist aufgeschuerft. Schon wieder Blut! Und noch nicht ein einziger Koffer ist auf dem Zimmer.


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Das wird nun also erst einmal nachgeholt. Und was fuer ein Zimmer! WOW!! Cool!!!

Zu cool, oder besser eiskalt. Die AC laeuft auf Hochtouren. Erkaeltung am Strand??!!! Vorprogrammiert.

Der Servicemensch sagt etwas bei der Zimmeruebergabe. Antwort: "Haaeehhh??!!" Ich meine, "Wie bitte?". Wasser in den Gehoerwindungen. Na prima!

Nun gut, schnell ein paar Klamotten ausgepackt und dem Kinde im Brunnen etwas Sonnencreme aufgeschmiert. An die Nase gedacht dabei, nicht aber an die Kniekehlen. Dann wieder an den Pool. Entspanntes Tauchen.
Entspannt solange, bis mir der etwa 15-jaehrige Sohn der Hunderttausend-Pfund-Familie ins Kreuz huepft. Boah!

Jetzt aber erstmal Ruhe. Bequem in den Strandstuhl geluemmelt und fleissig etwas gegen Hunger und Durst getan. In erster Linie mit Fruchtsalat, Schokoeis und eiskaltem Bier. Moment, da war doch was? Folgende Kombinationen: Baden + Eis, Baden + Bier, Eis + Bier, Bier + Fruechte ...... fuehren alle zum selben Ergebnis. Klodeckel, ick hoer Dir klappsen! Akute Imodiuminvasion abzusehen.


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Dann mal besser schnell noch den Tag nutzen, denn die restlichen koennte man ans Bett gefesselt sein. Ab ins offene Messer, aehhh, Meer. Ein paar Wellen geschluckt. Salz ist doch einfach sowas von lecker. Hoeren ist immer noch nicht wieder vernuenftig moeglich, aber als Ausgleich kommen nun wenigstens gesalzene Sehschwierigkeiten dazu. Zur Balance sozusagen. Naja, und wie kann es anders kommen? Ich sehe die vorhin erwaehnte Feuerqualle nicht. Und wo treffen die Tentakel? Richtig, genau ueberm rechten Knie. Da ist nicht mehr zu unterscheiden, welcher der Schmerz vom Aufschuerfen und welcher der von der Qualle verursachte ist.


image by uni-kiel

Nun ist es aber genug. Ab aufs Zimmer. Humpelnd, gebeugt, schnaufend, niesend. Unter die heisse Dusche. Auaaa!!!!
Heisses Wasser auf verbrannter Erde, aehm, Haut meinte ich, ist dazu angetan, einen das Gesicht verziehen zu lassen. So richtig.


image by blick.ch

Juchhuuu! Endlich am Strand!! Und schon einen halben Tag ueberlebt!!!
3.5.06 21:56
 
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