Mongoloide Idiotie - von der Geschichte eines Begriffes

Das "boese" Wort.
Hier soll es um die Geschichte des Begriffes gehen, den zu benutzen man heutzutage moeglichst vermeiden sollte.

Anmerkung: Die originalen Begriffe wurden im Englischen gepraegt und spaeter von anderen Sprachen uebernommen, daher erscheinen einige der Referenzen auf Englisch.

John Langdon Down, Observations on an Ethnic Classification of Idiots, Down Syndrom, mongolian Idiot, Mongoloid, Behinderte, mongolism, idiocy, document, book, Originaltext, Manuskript, Trisomie 21 John Langdon Down hoechstpersoenlich war es, der in seinem 1866 erschienenen Buch Observations on an Ethnic Classification of Idiots das von ihm untersuchte, beschriebene und spaeter nach ihm benannte Syndrom als Mongolian Idiocy bezeichnete. Heute klingen beide Woerter sehr negativ behaftet. Seinerzeit allerdings war diese Wahl alles andere als aussergewoehnlich oder gar verwerflich.

Das aus dem griechischen kommende Wort (plus Wortfamilie) Idiot bekam erst spaeter die beleidigende, abwertende und diskriminierende Bedeutung zugeschrieben. In der Medizin hatte es einen definierten Hintergrund:

In 19th and early 20th century medicine and psychology, an "idiot" was a person with a very severe mental retardation or a very low IQ level, as a sufferer of cretinism, defining idiots as people whose IQ were below 20 (with a standard deviation of 16).

Quelle: Wikipedia

Physische Aspekte der Menschen mit dem Extrachromosom und deren Aehnlichkeit mit denen der mongolischen Rasse gaben den Ausschlag fuer die Wahl des zweiten Wort bei der Titulierung, wie Down in seinem Buch erklaert:

The great Mongolian family has numerous representatives, and it is to this division, I wish, in this paper, to call special attention. A very large number of congenital idiots are typical Mongols. So marked is this, that when placed side by side, it is difficult to believe that the specimens compared are not children of the same parents. The number of idiots who arrange themselves around the Mongolian type is so great, and they present such a close resemblance to one another in mental power, that I shall describe an idiot member of this racial division, selected from the large number that have fallen under my observation.

The hair is not black, as in the real Mongol, but of a brownish colour, straight and scanty. The face is flat and broad, and destitute of prominence. The cheeks are roundish, and extended laterally. The eyes are obliquely placed, and the internal canthi more than normally distant from one another. The palpebral fissure is very narrow. The forehead is wrinkled transversely from the constant assistance which the levatores palpebrarum derive from the occipito-frontalis muscle in the opening of the eyes. The lips are large and thick with transverse fissures. The tongue is long, thick, and is much roughened. The nose is small. The skin has a slight dirty yellowish tinge, and is deficient in elasticity, giving the appearance of being too large for the body.

Quelle: Observations on an Ethnic Classification of Idiots

Fast 100 Jahre lang sollte der Begriff mongoloide Idiotie offizielle Gueltigkeit besitzen.
1959 entdeckte dann Professor Jrme Lejeune dank der nun moeglichen Karyotype - Techniken das Extrachromosom als Ursache fuer diese genetische Besonderheit, welches als Chromosom 21 etikettiert wurde und der resultierende neue Fachbegriff lautete konsequenterweise Trisomie 21.

Der Klang des Begriffes Mongolian Idioty hatte sich mittlerweile dermassen zum Negativen veraendert, dass sich im Jahre 1961 eine internationale Gruppe Genetiker (Gordon, Allen; C.E. Benda, J.A. Bk, C.O. Carter, C.E. Ford, E.H.Y. Chu, E. Hanhart, George Jervis, W. Langdon-Down, J. Lejeune, H. Nishimura, J. Oster, L.S. Penrose, P.E. Polani, Edith L. Potter, Curt Stern, R. Turpin, J. Warkany und Herman Yannet) an die renommierte englische Wissenschaftszeitschrift The Lancet wandten, um eine Aenderung des Terminus (in "Landon-Down's anomaly," "Down's syndrome or anomaly," "congenital acromicria (medicalese for "growth deficiency"), or "trisomy 21 anomaly") zu verlangen.

Mongolian idiocy had "misleading connotations," had become "an embarrassing term,"

Quelle: Wikipedia

(In erster Linie ging es hierbei allerdings nicht die Gefuehle der Traeger des Syndroms, wie oftmals faelschlich angenommen wird, sondern um die der Menschen der mongolischen Rasse, wie auch der Umstand belegt, dass die WHO (Weltgesundheitsorganisation) 1965 den Begriff Mongolism auf die Bitte des mongolischen Delegierten hin aus ihrem Vokabular strich.)

The Lancet akzeptierte und entschied sich fuer die Bezeichnung Downs Syndrom. Die Debatte unter den Experten war damit aber nicht beendet. Einen Auszug einer Diskussion zum Thema zwischen Fachleuten, die sich 1966 anlaesslich des hundertjaehrigen Jubilaeums des Erscheinens von Downs Buch in London trafen, kann man im Artikel Whats in a Name? von Len Leshin, MD, FAAP, nachlesen.

1975 befassten sich die National Institutes of Health auf einem Kongress unter der Devise Classification and nomenclature of malformation noch einmal eingehend mit dem Thema, wobei sie feststellten, dass es unangebracht sei, die besitzanzeigende Namensgebung zu verwenden, da z. Bsp. Dr. Langdon Down selbst kein Traeger des nach ihm benannten Syndroms sei.

"The possessive use of an eponym should be discontinued, since the author neither had nor owned the disorder."


Dessen ungeachtet ist die possesive Form (mit dem "s") Downs Syndrome bis heute die gebraeuchlichste Bezeichnung in England, waehrend man in den USA das Down Syndrome vorzieht.

Aber auch das Wort Mongolism findet man immer noch in juengeren fuehrenden medizinischen Veroeffentlichungen, so z. Bsp. in:
Review of Medical Physiology, 22nd Edition, 2005, by Professor William Ganong und in
General and Systematic Pathology, 4th Edition, 2004, edited by Professor Sir James Underwood.

Egal, welche Bezeichnung man vorzieht - in der heutigen Zeit sind sowohl der Mongoloid in allen seinen Varianten als auch der Idiot zu Begriffen mit beleidigendem oder diskriminierendem Charakter verkommen und sollten somit tunlichst vermieden werden.
18.1.08 17:05
 
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