Die Entparadisierung des Orangenmundes

Vom Urlaub in Nuevo Vallarta will ich gar nicht viel erzaehlen. Als Familienunternehmen war er eine prima Sache, aber der Ort an sich hat es mir nicht angetan. Eine recht noble Ansammlung von All-Inclusive-Lego-Kloetzen. Ich ziehe doerfliche Atmosphaere mit Selbstverpflegung vor.
Der Strand ist sehr breit, was vielleicht den Neid des mittlerweilen sand/strandarmen Cancún hervorrufen koennte; aber fuer mich faulen Sack die Bewegungslosigkeit anbetenden Typen war es jedesmal eine halbe Weltreise, um meine Nase ins Salzwasser tauchen zu koennen.
An manchen Tagen herrscht eine gefaehrliche Unterstroemung. Das sage ich als halbwegs geuebter Fischimitator. Walfisch, versteht sich. Im Meer legt man es ja nicht unbedingt darauf an, den Boden unter den Fuessen zu verlieren. Wenn sich nun aber die Wellen genau an der entsprechenden Stelle brechen, dann wagt man sich schon einmal 2 oder 3 Meter weiter hinaus. Nur bloed, wenn man dann ploetzlich merkt, dass man nicht zurueckkommt. Nach 5 oder sechs Schwimmzuegen sollte der Grund fuehlbar sein, aber nach 50 oder 60 war da immer noch nichts. Ohh, ohh. Da merkt man, dass man doch noch zu Gefuehlen faehig ist, und seien es Panikattacken. Vor allem, wenn man eine Dame an seiner Seite hat, die des Schwimmens nicht so maechtig ist und deren Mann im Flacheren steht und nur schreit. Ohne meine Hilfe haette sie es moeglicherweise nicht geschafft.
Ich hatte dieses Phaenomen so noch nicht erlebt.

Was die Wellen selbst anbelangt - da berichte ich am besten von meinen Kopfbedeckungen. 3 caps hatte ich mitgenommen. Am vierten Tag musste ich eine neue kaufen. Das lag daran, dass ich als jemand, der mittlerweile mehr Haare auf den Zaehnen als auf dem Kopf hat, diese Dinger auch nicht abnehme, wenn ich ins Meer gehe. Und da mich jeden Tag mindestens eine dieser Wellen, die Dich durch die Gegend wirbeln, erwischte, gingen dementsprechend konform auch meine Kopfbedeckungen floeten. Wiederfinden unmoeglich.
Meine Frau wurde nach ihrer Rueckkehr zum Arbeitsplatz gar gefragt, warum sie es sich gefallen liesse, dass ich sie verpruegle. Sie hatte sich naemlich in einer ebensolchen Welle ein maechtig feines blaues Auge geholt. Naja, sie hatte das Pech, dass sie von der señora olaauf den Boden geklatscht wurde. Zuerst war da auch noch der Verdacht auf eine Schulterverletzung.

Ein weiteres fundamentales Detail: In einem kleinen Hotel wie dem unseren schliesst die Bar um 23:00 Uhr. Damit ist die Theke gemeint, nicht die Raeumlichkeit. Ein haarstraeubender Zustand, wenn man bedenkt, dass das gerade so die Zeit ist, in der die Frauen samt Kindern sich in der Regel verabschiedeten. Gluecklicherweise konnte der Barkeeper uns in Plastikbechern soviele Getraenke dalassen, wie wir wuenschten. So war es denn nichts aussergewoehnliches, wenn beim Abschied des Barmanns jeder von uns cabrones 10 Plastikbecher voll Bier oder anderem vor sich stehen hatte.

Apropos cabrones --- nein, wir waren nicht ein einziges Mal in einer Table Dance Bar, eine nach meiner Erfahrung bei Mexikanern beliebte Urlaubsfreizeitbeschaeftigung. An einem Abend begaben wir uns nach Puerto Vallarta und dort kann ich das "Viejo Vallarta" empfehlen. Angeblich ist das ein Laden, der sich mehr auf Einheimische als auf Touristen konzentriert. Tolle Live-Musik!

Was man in Nuevo Vallarta nicht bemaengeln kann, ist die Ruhe. Da wir wieder das Brueckenwochenende zum ersten Mai gewaehlt hatten, um zu urlauben, waren wir sehr positiv ueberrascht, dass es keine Volksauflaeufe aus Aguascalientes (Ferien) und Jalisco (langes Wochenende) gab.

Gar nicht viel erzaehlen wollte ich eigentlich. Vielmehr wollte ich meinem Aerger Luft machen. Ueber etwas, dass ich unterwegs mit Entsetzen beobachten musste und dessen weitere Untersuchung mir fast den Magen verdarb.
Boca del Naranjo Meine vielgeliebte "Boca del Naranjo" wird der Hotelindustrie zum Opfer fallen!!!! Einer der letzten jungfraeulichen Geheimtipps der Region. Bisher so spaerlich besucht wohl weniger wegen des nicht vorhandenen Bekanntheitsgrades, sondern des etwas langwierigen Anfahrtsweges. Boca del Naranjo
Dieser fuehrt von der Kuestenautobahn noch ca. eine halbe Autostunde durch Bananen - und Guayabahaine (und nicht etwa mehr, wie der Name vermuten laesst, Orangenhaine). Das wollen viele Leute nicht auf sich nehmen, da andere Straende in 5 Minuten von der Autobahn zu erreichen sind.
Der Feldweg wird gerade asphaltiert. Man kommt im Moment nur noch bis ins Dorf "La Lima", dort ist Schluss. Der blaue Pfeil uebrigens zeigt auf eine private Landebahn mitten im "nada", von deren Existenz ich bisher nichts wusste.

Boca del Naranjo Dieses Bild zeigt die Position der Bucht und auch deren nicht unbetraechtliche Groesse bzw. Laenge. Keine Sau Menschenseele hatte sich frueher dorthin verirrt. Bei jedem Besuch waren es aber doch mehr und mehr Leute, die die Lange Fahrt in Kauf nahmen, um in den Genuss eines solchen Strandes zu kommen.
Ganz besonders schlimm: Direkt hinter dem Strand beginnt ein schoener Mangrovenwald. Boca del Naranjo Es scheint unvorstellbar, dass dieser bei Urbanisierungsarbeiten schadfrei gehalten werden kann.
Ich mag es immer noch nicht glauben; aber so langsam schafft es die korrupte mexikanische Regierung, entgegen ihrer Versprechungen und Gesetzgebungen auch die letzten Flecken unberuehrter Natur an den Meistbietenden zu verscherbeln.

Abschliessend noch ein Hinweis fuer Selbstfahrer. Die fehlende Bruecke auf der Strecke von Vallarta nach Guadalajara ueber "Mascota" ist fertiggestellt. Vorteile dieser Route: Keine Maut, wenig Verkehr (noch), tolle Landschaft, Zeitersparnis.
Nachteil: sehr viele Kurven. Nichts fuer kotzanfaellige Leute mit Hang zur oralen Darmentleerung.
16.5.07 20:37
 
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