699 - Das perfekte Kind

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Andere Laender, andere Mathematik. Zwischen 600 und 800 liegen auf internationalem Niveau die Ordinalzahlen, mit denen die Geburtsrate von Kindern mit Down Syndrom angegeben wird. Im Schnitt also ca. jedes 700. Neugeborene!! Wenn ich nun Familienangehoerige und Freunde dazurechne, ist das eine ganz schoene Menge von Leuten, die direkt mit diesem Thema zu tun haben.
Nur die selbst betroffenen Kinder als Ausgangspunkt genommen, werden 699 "normale" Kinder geboren, bis wieder eins mit Down Syndrom an der Reihe ist.
Aber Moment mal!
"NORMALE" Kinder??! Was ist denn das?
Ich nehme an, damit bezeichnet man Kinder, die unter physischen, psychischen und gesundheitlichen Aspekten einem bestimmten Durchschnitt entsprechen. Welche Eigenschaften fuehren nun dazu, einen Menschen aus der Gemeinschaft der "Normalen" zu verbannen?
Zuallererst sicherlich, wenn optisch etwas anders ist als das, was uns die heile Werbewelt als gut und richtig vorgaukeln will.
Sichtbare "Behinderungen" oder Besonderheiten. In diese Gruppe gehoeren unsere Kinder mit DS schon einmal. Denn ja, sie sehen anders aus.
Dann kommen die unsichtbaren Merkmale. Und derer gibt es einfach zu viele, um sie alle aufzaehlen zu wollen. Angefangen bei Krankheiten ueber Vorlieben und Hobbys bis hin zu sexuellen Neigungen und vielen, vielen anderen Dingen.
Und hier koennen wir unsere Zaehlung wieder aufnehmen.
Kind Nr. 699 ist ... taubstumm
Kind Nr. 698 ist ... homosexuell veranlagt
Kind Nr. 697 ist ... Linkshaender
......
Kind Nr. 578 ist ... blond und ein Maedchen
Kind Nr. 577 ist ... von dunkler Hautfarbe
Kind Nr. 576 ist ... hochgewachsen
......
Kind Nr. 456 ist ... Beamter (eines Tages)
Kind Nr. 455 ist ... tuerkischer Abstammung
Kind Nr. 454 ist ... ein Angsthase, wenn es um Wasser geht
......

Wir sehen, wenn wir das weitertreiben wuerden, gingen uns ganz schnell die paar Zahlen aus, die wir zur Verfuegung haben. Denn bei Null ist wieder ein Kind mit Down Syndrom dran.
Wir alle, die wir Eltern sind (manche koennen keine Eltern werden ---> ausstossen??!!), wuenschen uns verstaendlicherweise das perfekte Kind. Wie aber hat dieses auszusehen? Gibt es Standardmesswerte, Standardfarben, Standardverhaltensweisen? Die Beantwortung dieser Frage ueberlasse ich dem geneigten Leser.

Vielfalt ist es, die uns wirklich reich macht. Das trifft auch auf uns selbst zu. Und ich glaube, niemand wuerde ernsthaft in unserem ohnehin schon uebernormten Zeitalter auch noch anfangen wollen, DIN-Definitionen fuer uns Menschenkinder zu erstellen.

Das ungenormte Wort "Eltern" beinhaltet nicht nur einen gesellschaftlichen oder biologischen Status. Es beinhaltet auch eine Aufgabe. Welche sich in viele weitere Subaufgaben gliedern laesst, aber die grosse Aufgabe ist es in meinen Augen, sein Kind mit LIEBE so weit in seiner Entwicklung zu fuehren, wie es moeglich ist. Damit meine ich nicht, dem Kind mit 5 Jahren ein paar Knochen zu brechen und ein paar Sehnen zu zerreissen, damit es mal ein Gymnastikstar wird.
Nein. Ihm Werte zu vermitteln, Selbstaendigkeit beibringen und es darauf vorbereiten, ein "gutes" Leben zu fuehren, davon ist die Rede. Was hierbei unter einem "guten" Leben zu verstehen ist, bleibt der Definition jedes Einzelnen ueberlassen. Sollte es zumindest. AUF KEINEN FALL sollten die Gesellschaft oder die Nachbarn darueber entscheiden duerfen.

Denn genau dem letzten Punkt ist es zuallererst zuzuschreiben, dass wir dem "Anderen" oftmals unbeholfen, aengstlich oder gar aggressiv gegenueberstehen.
Daran gilt es zu arbeiten, und deshalb bin ich dankbar, dass der Welt Down Syndrom Tag geschaffen wurde. Im dritten Teil werde ich davon erzaehlen, was ich der Welt anlaesslich des 21. Maerzes sagen moechte.

wird fortgesetzt
24.2.07 22:15
 
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